Oktober 2021

Wenn es dunkler wird, dann kann ich mich immer besser mit einem Bock Dunkel wie dem von der Biermanufaktur Engel anfreunden. So ein Bier wärmt auch dann, wenn es draußen kalt ist. Noch besser in den Oktober passt die Pumpkin Party, die nicht nur mit Kürbis gebraut ist, sondern, ganz in amerikanischer Tradition, auch noch mit den passenden Gewürzen versehen wurde.

Ein Pils muss nicht langweilig sein. Amanda ist das kaltgehopfte Pils der Nittenauer Brauerei, das als Beweis für ebendiese Aussage antritt. Der Vergleich mit dem American Pale Ale My Saddle, My Pony, and Me ist da besonders spannend, denn beide Biere sind stark gehopft und lassen so den Unterschied zwischen untergäriger (Pils) und obergäriger (Ale) Hefe zum Vorschein kommen.

Die Biere für die Hopheads kommen diesen Monat beide aus den USA. So ist das Mind Haze ein IPA im Neu England Stil, das an der Westküste produziert wird und das Centennial IPA ein ikonischer Vertreter des Bierstils.

Gebrouwen door Vrouwen Pumpkin Party

Der Pumpkin Spice Latte von Starbucks wurde mittlerweile zum Meme. Doch Bier, das nach Kürbis, Zimt, Sternanis und Muskat schmeckt, ist noch nicht so weit verbreitet. Dabei sind Pumpkin Ales in den USA schon lange Trend. Bernsteinfarben und trüb sollte das Bier im Glas aussehen. Dazu noch eine stabile Schaumkrone und es kommt direkt die passende Halloweenstimmung auf.

Gebrouwen door Vrouwen, das heißt auf Deutsch Gebraut von Frauen, war zuerst ein Hobby zweier Schwestern in Amsterdam. Die beiden haben als Hobbybrauerinnen angefangen und nutzen immer noch die Heimküche, um neue Experimente im kleinen Stil auszuprobieren, bevor die besten Biere dann in größerer Menge produziert und verkauft werden.

Biermanufaktur Engel Bock Dunkel

Wenn ein Bock so eine wunderschöne dunkelrote Farbe hat, dann läuft mir immer direkt das Wasser im Mund zusammen. Und bei diesem Bock Dunkel lohnt sich das auch richtig, denn das Bier fließt sehr leicht über den Gaumen. Bei 7,2% den Trinker nicht zu überfordern, ist eine sehr starke Leistung, denn es erfordert eine gut tarierte Balance.

Seit mindestens 1738 gibt es die Engelbrauerei in Crailsheim. Da hat die Gasthausbrauerei zum goldenen Engel die erste offizielle Auszeichnung für 150 Eimer Bier erhalten. 1877 wurde die Brauerei von der Familie Fach übernommen und hat sich seitdem regelmäßig durch ihren Innovationsgeist ausgezeichnet. Beispielsweise mit der Dampfmaschine 1903, dem ersten Automobil 1920 oder dem ersten deutschen Radler abgefüllt in Flaschen 1984. Dabei war der bedeutendste Neuanfang 1947, denn die Stadt Crailsheim wurde in den Gefechten des zweiten Weltkriegs zwischen den Amerikanern und der SS nahezu vollständig zerstört, sodass die Brauerei von Grund auf neu errichtet werden musste.

Firestone Walker Mind Haze IPA

Mind Haze, das beschreibt die Trübung des Geistes. Das ist ein Bier im Stil des New England IPA, das sich besonders durch seine Trübung, den breiten Bouquet an Hopfenaromen und eine – im Vergleich mit anderen IPAs – milde Bitternote auszeichnet. Insbesondere Aromen von Limette, Mandarine und kandierter Zitrusfrucht sind zu entdecken, während Ananas sich nur gelegentlich zeigt. Das Bier ist schlicht genug, dass die Komplexität nicht überanstrengt und der Trinker hat gleich Lust auf mehr. Bei 6,1% Alkoholgehalt kann das auch leicht gefährlich werden.

Die Geschichte beginnt mit den Schwiegerbrüdern Adam Firestone und David Walker, die das Thema Bier debattierten und sich auf die Suche nach dem perfekten Gebräu machten. Als sie nirgendwo fündig wurden, um ein lokales Bier zu finden, das beiden mundete, enschlossen sie sich schließlich selbst Hand anzulegen. So begann die Geschichte von Firestone Walker in einem entlegenen Schuppen eines kalifornischen Weinguts. In diesen Umständen mussten sie mit umfunktionierten Werkzeugen aus der Weinherstellung arbeiten – mit zuerst gemischten Ergebnissen. Doch dann hatten sie eine spannende Idee und konnten mit holzfassgereiftem Bier eine besondere Marktnische für sich entdecken.

Nittenauer Amanda

Amanda ist ein Pils. Was weit verbreitet und fast schon langweilig klingt, kann auch sehr spannend sein. Denn dieses Bier ist hopfengestopft, das heißt, es wurde nach dem Würzekochen noch einmal kalt Hopfen beigefügt, der so seine ätherischen Öle nicht verliert und viele spannende Aromen einbringt. Bei diesem Bier wurden die weit verbreiteten Hopfensorten Hallertauer Tradition und der moderne Hopfen Mosaic eingesetzt. So erhält man auch bei dem schlanken Bierstil äußerst spannende und ungewöhnliche Aromen.

Das Brauhaus Nittenau hat sich philosophisch dem Erhalt der Biervielfalt verschrieben. Durch den Preisdruck und um möglichst viele Kunden zufriedenzustellen, wird bei den Großbrauereien meist mit den selben Tricks gearbeitet: Weniger Hopfen, weniger Lagerzeit, weniger Geschmack. Dagegen setzt man beim Brauhaus Nittenau einen Fokus auf Natürlichkeit: So wird akzeptiert, dass das Bier teilweise geschmackliche Differenzen aufgrund von natürlichen Unterschieden in den Rohstoffen aufweist und auf chemische Korrekturen verzichtet.

Vagabund Brauerei My Saddle, My Pony, and Me

Ein American Pale Ale ist das erste, woran ich denke, wenn ich Craft Bier höre. My Saddle, My Pony, and Me gehört genau zu dieser Kategorie an Bieren. Wie beschreibt man das Bier nun am besten? Vielleicht mit Musik: Einfach auf Spotify nach dem Namen des Biers suchen und man findet die Playlist, die die Brauerei extra für dieses Bier zusammengestellt hat.

Ist das jetzt eigentlich ein Berliner Bier oder ein amerikanisches? Matt Walthall, David Spengler und Tom Crozier kamen in den frühen 2000ern aus den USA nach Berlin und gründeten eine Band. Wie bei jeder guten Bandprobe durfte es auch an Bier nicht fehlen, so stellte sich nur die Frage: Wie kann der amerikanische Durst nach Biervielfalt gestillt werden? Die drei entschlossen sich 2011 eine eigene Nanobrauerei zu gründen und finanzierten den Aufbau selbiger durch Crowdfunding. Heute hat Vagabund neun Mitarbeiter und braute bereits hunderte unterschiedliche Biere.

Founders Brewing Co. Centennial IPA

Das Centennial IPA ist mit 99 von 100 Punkten bei RateBeer ein unvergleichlich ikonischer Repräsentant des beliebten Craft Bier Stils. Für mich entspricht dieses Bier, das zu den ersten Craft Bieren gehört, das ich je getrunken habe, quasi der Definition dessen, was ein IPA ausmacht. So möchte ich gar nicht all zu vieles vorweg nehmen und wünsche guten Genuss.

Die Geschichten der meisten amerikanischen Brauereien beginnen mit einem kleinen Anfangserfolg und dann einer logischen Expansion. Nicht so bei Founders Brewing. Als die Brauerei 1997 begann, wollten die Gründer Mike Stevens und Dave Engbers noch ein Bier brauen, das für die Massen taugt. Der Geschmack war relativ unaufgeregt und so hielt sich auch der Erfolg in Grenzen. Im Jahr 2000 waren die beiden so sehr in Finanznot, dass sie sich sogar eine Bolzenschere kauften, denn ihr Vermieter drohte sie aus ihrer Brauerei auszuschließen. Der Tiefpunkt war 2001 erreicht, als sie einem Freund für seine Geburtstagsfeier ein Fass ihres IPAs schenken wollte und dieser dankend ablehnte. Selbst ein guter Freund hat lieber Geld für das Konkurrenzprodukt bezahlt, als sich das Bier von Founders schenken zu lassen. Es war der Augenblick, in dem sich Mike und Dave entschieden, dass sich etwas ändern muss und das Projekt Brewed for Us entstand. Aus finanziellen Gründen mussten sie ihre Filteranlage verkaufen und gleichzeitig hatten sie sich geschworen: Von jetzt an brauen sie nur noch Biere, die sie auch selbst genießen. Das war der Punkt, an dem viele der Biere entstanden, für die die Brauerei heute so bekannt und beliebt ist.