November 2020

Dobry Wieczór – so wünscht man sich auf Polnisch "Guten Abend". Das dunkle Bier mit gleichem Namen passt perfekt, um selbigen einzuleiten. Das historische Dampfbier hat eine spannende Geschichte und bietet das Erlebnis, Bier zu trinken, so wie es früher üblich war.

Auch Bier mit Früchten ist diesmal wieder im Paket. So das Fränk, ein Sauerbier mit Maracuja. Und auch ein IPA mit Mandarine und Ananas, das Tangerine Express IPA.

The Bavarian Job beweist, dass auch Bayern IPA kann. Und mein persönliches Highlight ist wieder einmal das Frischhopfen Pale Ale Frischer Traum.

Pinta Dobry Wieczór

Dobry Wieczór ist Polnisch und bedeutet Guten Abend, denn das Haferstout leitet diesen angenehm ein. Das sehr dunkle Bier ist gefüllt mit kräftigen Röstmalzen vom Schokoweizenmalz bis zum gerösteten Gerstenmalz. Und natürlich enthält das Bier auch Haferflocken, die für ein sehr samtes Mundgefühl sorgen.

Pinta ist eine der besten Craft Bier-Brauereien in Polen. Die Gründer Grzesiek, Marek und Ziemek sind seit 2011 dabei, den polnischen Biermarkt zu revolutionieren. Pinta hat seitdem mit vielen Bierstilen und noch mehr Experimenten Abwechslung und spannende Geschmäcker geboten.

Veldensteiner Historisches Dampfbier

Warum heißt Dampfbier denn Dampfbier? So viel vorne weg: es wird nicht mit Dampf hergestellt. Die Braumethode ist eigentlich ganz einfach: Als Malz wird Gerste genutzt, doch diese wird mit einer obergärigen Hefe kombiniert, wie man das vom Weißbier kennt. Früher war das ganz normal, denn obergärige Hefe kann optimal bei 18-20°C gären, während untergärige Hefe, die beispielsweise bei bayerischen Hellen oder Pils genutzt wird, zwischen 9° und 12°C im Gärprozess eingesetzt werden sollte und diese Temperaturen waren vor der Erfindung der Kühltechnik im Sommer nicht zu erreichen. Also warum nun Dampfbier? Bei diesem Gärprozess entstehen viele Blasen, die beim Platzen dann "dampfen".

In der Veldensteiner Bierwerkstatt entwickeln Brauereichef Josef Laus und sein Bruder, Braumeister Wolfgang Laus, regelmäßig handwerkliche Biere. Das Augenmerk liegt dabei auf historischen und ausgefallenen Rezepten, die so ausgearbeitet werden, dass die Trinker ihren Geschmacks- und Erfahrungshorizont erweitern können.

Flügge Fränk

Das Fränk ist ein Sauerbier, das, wie beispielsweise auch die original Berliner Weisse, mit Milchsäurebakterien gebraut wurde. Wenn diese entweder alleine oder zusätzlich zur Hefe eingesetzt werden, dann entsteht beim Vergären der Stärke eine spannende Säure. Zum Brauen wurde neben Gerstenmalz auch Weizenmalz verwendet, welches üblicherweise Bananenaromen liefert, und Haferflocken, die auch hier wahrscheinlich das Mundgefühl beeinflussen. Das Bier wurde anschließend mit Maracujapüree eingelagert, was sehr passend klingt, denn der Geschmack von Maracujas ist sowieso schon sauer und harmoniert gut mit Bananen.

Mitgründer Dominik Pietsch beschreibt Flügge als einen großen Spielplatz für Erwachsene. Als er einen Schwarzbier-Bock dann Raabe taufte, wurde schnell klar, der passende Name, den er und Mitgründer Joachim Amrhein für ihre Brauerei wählen, ist Flügge. Das Motto setzt sich auch auf den Etiketten fort, denn jedem Bier ist eine Vogelillustration von Pia Zölzer gewidmet.

Stone Brewing Tangerine Express IPA

Ist das ein Bier oder schon ein tropischer Fruchtcocktail? Das Tangerine Express IPA steckt voller spannender Geschmäcker von Mandarine bis Ananas. Das kommt teilweise von den fünf verwendeten Aromahopfensorten, aber auch vom Fruchtpüree, das direkt im Bier verwendet wurde. Optisch hat man fast das Gefühl, als würde es sich um ein Glas Orangensaft mit Schaum handeln. Geschmacklich ist aber leicht zu erkennen: Hier handelt es sich um ein IPA, bei dem nach wie vor der Hopfen im Vordergrund steht und das Obst eine wichtige und spannende Unterstützerrolle einnimmt.

Große Pläne hatte Stone Brewing in Berlin. Ein ehemaliges Gaswerk wurde in den letzten Jahren zu einem riesigen Mekka für Craft Bier umgebaut. Doch im April 2019 wurde verkündet, dass der Standort an die Craft Brauer von Brewdog übergehen muss. Wahrscheinlich wird Stone Brewing dort weiterhin Biere für den europäischen Markt brauen, doch kurzfristig ist es ein Rückschlag für die Amerikaner. Mittlerweile wird das Gaskraftwerk auch als Standort für den Autohersteller Tesla gehandelt.

Munich Brew Mafia The Bavarian Job

Das IPA The Bavarian Job. Auf den ersten Blick wirkt es ganz unspektakulär für ein IPA. 6,2% Alkoholgehalt, Gersten- und Weizenmalz und eine kräftige Portion Hopfen. Woher denn dann der Name, wenn es doch gar nicht so anders ist als all die anderen typisch amerikanischen IPAs? Ist es eben doch. Denn bei diesem Bier ist alles bayerisch. Angefangen von der Brauerei bis hin zum Hopfen. Hallertauer Huell Melon gibt dem Bier den Geschmack von Früchten, die man nicht in jedem Bier findet: Von Erdbeeren bis Kiwi und ganz selbstverständlich auch Melone ist hier alles dabei. Selbst wenn die Biersorte für den regelmäßigen Craft Bier Trinker nichts Ungewöhnliches ist, so überrascht das Geschmacksprofil dennoch sehr positiv.

Die Munich Brew Mafia wurde 2016 von Dario Stieren und Niklas Zerhoch gegründet. Bereits mit 16 Jahren wollte Dario Brauer werden, hat dann mit 20 gemerkt, dass man das auch studieren kann und so seinen Diplom-Braumeister in Weihenstephan abgelegt. Die beiden Ur-Schwabinger kennen sich bereits, seitdem sie 13 waren und haben zusammen im Taphouse in München gearbeitet und so selbst erfahren, wie breit das Geschmacksspektrum von Craft Bier reichen kann.

Kreativbrauerei Kehrwieder & Riedenburger Brauhaus Frischer Traum

Jedes Jahr freue ich mich wieder auf die Frischhopfensaison. Bei der Hopfenernte ist es leider so, dass Hopfen schon nach wenigen Tagen, wenn nicht gar Stunden, anfängt zu verderben. Um das zu verhindern, lassen Hopfenbauern ihre Ernte so schnell wie möglich trocknen. Doch ab und zu stimmt sich ein Hopfenbauer mit einem Brauer ab und der frisch geerntete Hopfen kommt direkt in den Braukessel. Das ist dann ein Frischhopfenbier wie der Frische Traum, den die Kreativbrauerei Kehrwieder und das Riedenburger Brauhaus gemeinsam gebraut haben. Das Besondere ist der einmalige Hopfengeschmack. Die Frische und das grasig Grüne bleiben im Bier erhalten und man kann diese Aromen direkt mitschmecken.

Oliver Wesseloh ist mit der Kreativbrauerei Kehrwieder einer der ersten, der angefangen hat, Craft Bier in Deutschland zu brauen, wie er es selbst in den USA kennengelernt hat. Für seinen Geschmackssinn wurde er bereits zum Weltmeister der Biersommeliers gekrönt und gerade Frischhopfenbiere braut er gerne. So hatte ich beispielsweise 2017 den Gemeinschaftssud Jrön von Kehrwieder und Uerige im Paket.

Das Riedenburger Brauhaus hat sich eigentlich insbesondere auf die Verwendung von zertifizierten Bioprodukten spezialisiert. Da der hohe Qualitätsstandard und die Handwerkskunst dabei im Mittelpunkt stehen, ist es kein Wunder, dass die Brauerei Craft Bier braut.