Oktober 2020

Das Viva Bavaria Festbier verspricht ganz genau, was es ist: Ein Bier, wie man es zu all den Volksfesten in Bayern trinken würde. Handwerklich gebraut, einzigartig und doch traditionell. OSw-ALT ist ebenfalls ein traditioneller deutscher Bierstil, nämlich das Alt. Doch hier ist das Besondere, dass dieses Bier in Franken gebraut wird, während Altbier eine Düsseldorfer Ikone ist, die außerhalb der Landeshauptstadt nur wenig Aufmerksamkeit erfährt.

Katy Cherry ist ein leicht verrücktes Sauerbier mit Kirschen. Ebenfalls ausgefallen ist das Wet Hop Pale Ale von Septem.

Und für die Hopfenfreunde gibt es gleich zwei NEIPAs als Highlights in diesem Monat: Zum einen das Alfons, das mit 5,4% Alkohol überraschend leicht ist und zum anderen Blurry Vision, bei dem dir die Sicht verschwimmt. Na dann Prost!

Weiherer OSw-ALT

Das OSw-ALT wurde zuerst als Geburtstagsgeschenk für Brauereibesitzer Oswald Kundmüller gebraut und ist, wie der Name vielleicht erahnen lässt, ein Alt-Bier. Der Stil ist typisch für Düsseldorf, wird aber mittlerweile von Craftbier-Brauern in ganz Deutschland geschätzt. Das süffige Bier mit Rosinen- und Nussaromen ist obergärig gebraut und zeichnet sich besonders durch den abgerundeten Charakter aus. Es wurde beim Craft Bier Award 2020 mit Gold ausgezeichnet.

Die Weiherer Brauerei Kundmüller ist in einem Dorf mit 100 Einwohnern beheimatet. Selbstverständlich herrscht hier eine große Verbundenheit mit der Natur. So ist die Brauerei Mitglied im Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe und betreibt eine vorausschauende Vermeidung von Umweltbelastungen. Die Brauerei engagiert sich bereits seit den 90ern für Umweltschutz, als Solar- und Photovoltaikanlagen installiert wurden, um nachhaltig die Gaststätte mit Wärme und Strom zu versorgen. Seit 2011 sind einige der Weihrer Biere als Solarbier zertifiziert, denn sie werden ausschließlich mit regenerativer Energie erzeugt.

Riedenburger Brauhaus Viva Bavaria Festbier

Das Festbier Viva Bavaria verkörpert bayerische Volksfeste. Bernsteinfarben und unfiltriert ist das Bier zum einen typisch für Bayern und zum anderen macht es Lust auf mehr, wie es sich für diese Veranstaltungen gehört. Der vollmundige Geschmack bleibt auch noch, nachdem das Glas leer ist, lange erhalten.

Seit 1866 gibt es das Brauhaus im niederbayerischen Riedenburg. Einen Namen machte sich die Brauerei vor allem durch das Bio-Bier. Seit 1994 braut man ausschließlich mit Zutaten, die das Bio-Siegel tragen. Auch sonst ist die Experimentierfreude hier groß, denn beispielsweise ist es eine der wenigen Brauereien, die auch mit den alten Getreidesorten Emmer und Einkorn Bier braut.

Cerveja Musa Katy Cherry

Die Berliner Weisse Katy Cherry ist, wie der Name vermuten lässt, ein fruchtiges Sauerbier mit Kirschen. Die Süße der Berliner Weissen und die natürliche Fruchtsüße balancieren sich hier aus. Die größte Warnung, die ich bei Sauerbieren immer wieder ausspreche, ist, dass man die eigenen Vorstellungen von Bier erst wieder vergessen muss, um diese Biere zu genießen, denn Katy Cherry wird mehr an eine Kirschschorle erinnern als an ein Hefeweizen. Doch auch das ist Bier: Hier wird in erster Linie die Stärke des Weizens mit Bakterien vergoren, die eine Säure erzeugen, die sich exzellent genießen lässt mit diesen fruchtigen Aromen.

Musa ist Craft Bier aus Portugal. Das Motto der Marke ist, Craft Bier im Heimatland zu demokratisieren. Brauereigründer Bruno und Nuno haben sich zum Ziel gesetzt, Bier, das von Menschen gebraut ist, die verdammt gerne Bier brauen, zu verkaufen an Menschen, die jetzt verdammt gerne ein Bier hätten. Mir schmecken die Musa-Biere besonders gut, wenn ich mir vorstelle, von den Hügeln Lissabons auf das Meer zu blicken.

BRLO Blurry Vision

Blurry Vision, also "Verschwommene Sicht", heißt dieses Bier. Was daran verschwommen ist? Das trübe Hazy IPA (auch New England IPA oder NEIPA genannt) beeindruckt gerade im Glas visuell mit einem kräftigen Gelb. Die Hopfenwahl ist mit Citra Cryo, Sabro, Azacca und Galaxy besonders außergewöhnlich. Das ist gerade bei diesem Bierstil wichtig, denn ein Hazy IPA braut man mit Hopfengabe nach dem Würzekochen, so dass man all die ätherischen Öle im Bier hat, die für Aromen von Pfirsich und Ananas sorgen, aber nur wenig Bitterstoffe (5 Bittereinheiten sind ausgesprochen niedrig für ein Bier).

Brlo ist der Begriff, der aus dem Altslawischen stammt und aus dem irgendwann „Berlin“ wurde, der Name der Stadt, in der auch die Brauerei BRLO beheimatet ist. Seit November 2014 sind die drei Gründer mit ihrer eigenen Brauerei im Geschäft und bereits jetzt gehören sie zu den Top-Anlaufstellen in Berlin, was Craft Bier betrifft. Das BRLO BRWHOUSE, ein Gastronomiekonzept, bestehend aus mobilen Überseecontainern, ist eine wichtige Anlaufstelle für Craft Beer in Berlin geworden.

Septem Wet Hop Pale Ale

Das Wet Hop Pale Ale ist Teil der Hobby Hoppy-Serie von Septem. Das Bier ist mit frischem Hopfen gebraut, der also nicht getrocknet wurde. Die Herausforderung: Von Ernte bis Sudkessel dürfen keine zwei Tage vergehen, idealerweise noch weniger, sonst hat der Hopfen schon an Aroma verloren. Die Belohnung: Mit frischem Hopfen zu brauen sorgt für ganz andere Geschmacksprofile als das, was man mit getrocknetem Hopfen erreicht. Das Bier insgesamt schmeckt frischer und meist grasiger.

Septem, lateinisch für Sieben, wollten sie ihre Brauerei nennen. Denn die Zahl Sieben steht für die Schöfung. Warum die Griechen von Septem aber gerade einen lateinischen Namen verwendet haben, das verraten sie nicht. Die Verbindung zu Griechenland ist eine andere: Als Önologe hat sich Sofocles Panagiotou der Wissenschaft des Weins verpflichtet. Seine Kenntnis zum Mikroklima und der Ernte setzt er auch ein, um Malz und Hopfen zu den einzigartigen Septem-Bieren zu verarbeiten.

Braukollektiv Freiburg Alfons

Alfons ist zwar ein New England IPA, doch mit 5,4% Alkoholgehalt ist es weniger kräftig als die meisten Artgenossen und das ist auch so beabsichtigt. Denn das Bier beweist, dass man auch mit Leichtigkeit eine gute Süffigkeit erreichen kann. Insbesondere die Fruchtaromen dominieren hier.

Die vier Gründer des Freiburger Braukollektivs haben drei Dinge gemeinsam: Keiner von ihnen stammt aus Freiburg, alle haben sie Berufe, die sehr wenig mit Brauen zu tun haben und alle vier liebten Craft Beer schon, bevor sie sich kennenlernten. Für den Amerikaner James Tutor fing das mit dem Craft Beer so an, dass er zum 25. Geburtstag eine Hobby-Brauanlage geschenkt bekam. Sein eigenes Bier zu brauen, fand er aufregend und lag damit im Trend. Dass die ersten Versuche misslangen, davon ließ sich James nicht einschüchtern. 2013 zog er dann nach Deutschland und lernte seine späteren Mitgründer kennen.

Seit 2014 sind die vier dabei, in Freiburg Craft Beer populärer zu machen. Als Gypsybrauer haben sie sich bei der Privatbrauerei Rogg im Schwarzwald eingemietet.